Poschacher: Nach 30 Jahren Allianz der beiden Brüder

Im kommenden Jahr feiert das Natursteinwerk Poschacher den 180. Geburtstag. Jetzt hat die Eigentümerfamilie die Eigentumsverhältnisse neu geordnet.

Das Motto lautet: „In einer Allianz bündeln wir die Kräfte.“ Nach einer Betriebsversammlung bestätigten Anton und Leonhard Helbich-Poschacher den OÖNachrichten die Veränderungen.

Die PBH Holding von Leonhard Helbich-Poschacher (62) übernimmt 60 Prozent der Betriebsgesellschaft Poschacher Natursteinwerke GmbH, 40 Prozent verbleiben im Eigentum seines um ein Jahr älteren Bruders Anton.

„Kinder sind zu jung“

Operativ sind beide dort aber nicht tätig. Die Führung haben sie dem langjährigen Mitarbeiter Andreas Sigl sowie Walter Poxleitner übertragen, der neu ins Unternehmen kam. „Ich werde heuer 64 Jahre alt. Meine Kinder sind zu jung, um das Unternehmen zu übernehmen. Daher habe ich mir überlegt, wie das Unternehmen weiter geführt werden soll. Durch den Einstieg meines Bruders haben die Natursteinwerke frisches Eigenkapital bekommen, das sie für die Expansion nützen können. Außerdem muss das Produktionswerk in Langenstein modernisiert werden“, sagt Anton Helbich-Poschacher.

Für seinen Bruder ist der Einstieg erfreulich, „weil wir nach 30 Jahren Geschäftspartner werden und eine Menge an Synergien heben können. 1986 ist das Unternehmen getrennt worden. Jetzt wächst es wieder zusammen, wir haben zueinander gefunden.“

Leonhard Helbich-Poschachers Unternehmensgruppe umfasst einen Baustoffhandel, Dachdeckerei und Spenglerei, einen Dachfachhandel mit Zentrum in Sankt Valentin und fünf Standorten und nicht zuletzt das Einkaufszentrum Donaupark in Mauthausen.

Die gesamte Poschacher Allianz erwirtschaftet jetzt einen Umsatz von 120 Millionen Euro, beschäftigt 260 Mitarbeiter an sieben Vertriebsstandorten in einem Produktionswerk und sechs Granitbrüchen.

In den sechs Granitbrüchen wird das Material für Platten für Fußgängerzonen, Denkmal- und Grabsteine sowie Granitschotter abgebaut.

„Turbulent seit 1839“

„Die vergangenen 179 Jahre waren turbulent. Im Unternehmen musste viel unternommen werden“, seit unserer Urururgroßvater 1839 das Natursteinwerk gegründet hat“, sagt Leonhard Helbich-Poschacher. Der Vater des Gründers war seinerzeit von Salzburg nach Mauthausen gezogen, betrieb dort eine Lebzelterei und eine Wachszieherei und wurde auf Anhieb Bürgermeister. Einer der Söhne gründete das Stein-Unternehmen, das im Laufe der Zeit mit disruptiven Veränderungen konfrontiert war. Als zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Asphalt aufkam, war das Pflastern der Straßen fast beendet. Der Beginn des Ersten Weltkriegs brachte die Produktion noch einmal zum Erliegen.

Aber auch vor einigen Jahren geriet Poschacher in Probleme. Weil die Chinesen den europäischen Markt mit Billigware fluteten, musste Poschacher sogar in ein Sanierungsverfahren, das 2013 abgeschlossen wurde.

Jetzt gehe es wieder aufwärts. „Die angeforderten Steinplatten sind dicker und schwerer. Und in China steigen die Lohnkosten. Dadurch sind wir wieder wettbewerbsfähiger“, sagt Anton Helbich-Poschacher. Das neue Jahr startete gut. Poschacher gewann den Auftrag für die Neugestaltung des Salzburger Residenzplatzes.

Quelle: OÖ Nachrichten, 08.02.2018